Von zerstörten Träumen und uralten Ärzten
Von zerstörten Träumen und uralten Ärzten

Von zerstörten Träumen und uralten Ärzten

Nein, es sind nicht unsere Träume von denen hier die Rede ist. Es geht in diesem Artikel vielmehr um das Projekt „Finca Bellavista“. Sie befindet sich auf dem 600 Hektar großen Areal des Nationalparks Piedras Blancas und alles begann vor 14 Jahren mit dem Traum zweier Idealisten/Visionäre wie auch immer. Wie ich es Matts Schilderungen, so manchem Werbe-Video oder CNN Bericht entnehmen konnte, ging es darum, den Regenwald zu erhalten und gleichzeitig Menschen hier die Möglichkeit zu geben, sich im Einklang mit der Natur anzusiedeln. Es wurde eine Kooperative gegründet in der Mitglieder ein Stück Land käuflich erwarben, dies unter vorgegebenen Bedingungen bebauten und vorerst glücklich und zufrieden miteinander lebten. Gemeinsam wurde ein Basecamp als Treffpunkt aller hier Lebenden, Verweilenden errichtet in dem zusammen gekocht, gegessen, Kinder bespaßt und gemeinsam geyogat (🧘🏻‍♂️) wurde. Zudem wurden einigermaßen mit Hilfe der umliegenden Ticos befahrbare Wege gebaut, eine Hängebrücke errichtet, ein Gemeinschaftsgarten bepflanzt u.s.w., sprich zudem auch reale Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen. Ob die Hütten bis Häuser dauerhaft selbst bewohnt oder an Feriengäste vermietet wurden, blieb jedem selbst überlassen. Einmal raus aus dem Großstadtdschungel/Arbeitsstress und abschalten? Dann ab nach Costa Rica + 5 Stunden Autofahrt Richtung Süden und rein in den Regenwald, nicht fernab von allem, aber von jeder Menge. Alles schien gut zu laufen, wir erkannten hier noch diverse Anfänge von gemeinsam umgesetzten Ideen wie bspw. Schmetterlingshaus oder Hängemattenchillout- Lounges, die aktuell jedoch seit etwa 1 Jahr quasi im Dornröschenschlaf verweilen. Nein, Covid-19 ist diesmal nicht Schuld. Grund dafür ist, jetzt mal ein wenig Gossip 🤭, der Rosenkrieg zwischen den beiden Idealisten/Visionären. In den letzten 5 Jahren wurde dieser laut interner Quellen 🤫 hart gekämpft und zog leider das gesamte tolle Projekt mit in den tiefen Scheidungsabgrund. Es ist ein wenig wie in einer schlechten Soap: Tore wurden mit Eisenketten zugesperrt, Wegerechte eingeschränkt und die Nutzung der Hängebrücke verwehrt. Doch wie sollten die anderen Mitglieder der Kooperative nun über den Fluss kommen, wenn es starke Regenfälle gab? Wie sollten Baumaterialien zu den Parzellen gebracht werden? Wie kann eine Kooperative existieren, wenn selbst das Herz des Projekts, das Basecamp der Gemeinschaft versperrt bleiben? Matt erzählte uns, dass viele Mitglieder aufgegeben haben und ihre Häuser verkauften. Von ursprünglichen 30-40 Menschen die hier auf dem Gelände ihr Heim errichtet hatten, sind es aktuell gerade noch 6. Die Grundstückspreise sind im Keller, die Einheimischen verloren hier ihre Arbeit und nun versuchen die letzten Verbliebenden das Projekt zu retten, indem sie jetzt in kleinen Schritten ihre gemeinsamen Träume/Visionen umzusetzen versuchen. Matt sagte, dass sie den Regenwald, die Natur lieben und die Idee der Kooperative. Wir finden es hier wirklich fantastisch und bewundern diese Entschlusskraft, nicht einfach aufzugeben und drücken ihnen für dieses Mammutprojekt fest die Daumen.


Noch eine ganz andere Anekdote:

Nachdem wir am Samstag Fritzis Ohr erneut untersuchen lassen mussten und diese Ärztin (???) in Uvita mehr als inkompetent wirkte, vereinbarten wir einen Termin bei einem echten Spezialisten, einem HNO-Arzt. „Hola! Me llamo Sandra Schwarz.“
„Hola! Do you speak english?“
„Äh, yes?! I just need an appointment for my daughter.“
„Si. Monday 10:30. Bring 45 000 Colones cash!“

Dieser Arzt ist der einzige Spezialist weit und breit. Was blieb uns da übrig? „Ok. Muchas Gracias!“, aber die Dame hatte schon aufgeschmissen. Schräg auf jeden Fall… Leider praktiziert er in Pèrez Zeledòn, einem kleinen häßlichen Städtchen in den Bergen. Dies bedeutete also eine Autofahrt von 2 1/2 Stunden hin und zurück. Zum Glück war die Strecke total schön, so dass wir wenigstens das Nützliche mit einer interessanten Fahrt verbinden konnten. Pine hatte auf eigenen Wusch einen Tag familienfrei und wir starteten um 7:00 Uhr mit unserer Tour. Wir waren pünktlich! Doch wer kam nicht? Madame-kurz-angebunden… Das war alles so merkwürdig, aber egal Pura Vida heißt auch irgendwie Vertrauen haben, also ließen wir uns nicht von der unscheinbaren Praxis und dem Nichterscheinen irritieren und riefen sämtliche Telefonnummern an, die auf dem alten Schild standen. Eine war wohl korrekt, denn diese zackige Stimme kam mir direkt bekannt vor. Sie hatte uns vergessen, na toll! Aber sie wären gleich da und wirklich, nach 20 Minuten kamen dann auch eine ältere kleine Dame und ein ebenso kleiner, aber noch älterer Herr im Auto angefahren. „Ist das ihr Chauffeur?“ „Nee, der ist zu alt.“ Diese gebrechlich wirkende, zierliche Person mit gefärbtem, sehr dünnem Deckhaar stieg sehr (!!!) langsam aus dem Auto und bewegte sich dann nicht wesentlich schneller Richtung Eingangstür. Dort hatte die unwesentlich jüngere Dame mit gleicher Haarfarbe bereits aufgeschlossen und bat uns hinein. Nachdem wir uns auf der Toilette, ein jeder Beamter des deutschen Gesundheitsamtes hätte schon hier die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, die Hände gewaschen hatten, durften wir bereits ins Behandlungsräumchen. Huch? Ist das ein Scherz? Leider nein. Der zu alte Chauffeur, der ja keiner war, war stattdessen der HNO-Arzt und begrüßte uns beinahe freundlich mit zittriger Hand. Fritzi fand das alles gar nicht witzig und war wirklich verunsichert. Ich sagte ihr nur, dass er der beste Spezialist sein muss, da es bisher keinen ebenbürtigen Nachfolger gab, der ihn ablösen konnte. Zum Glück hat mein Kind Humor und ließ sich auf die Untersuchung ein. Mir wurde ein Telefon hingehalten und jemand fragte mich am anderen Ende auf Englisch, was denn das Problem sei. Nach langem Hin und Her wurde jedenfalls Fritzis Ohr erneut untersucht und diesmal gereinigt. Und was waren das für Geräte! Einschließlich dem Untersuchungssessel und der Schaubilder an der Tafel wirkte das gesamte Equipment, als wäre es aus den 70igern. Ernsthaft, alles war braun, gelb, rosa und ursprünglich Weißes total vergilbt. Der Stuhl war so speckig, dazu vielen mir tausende Geschichten von Patienten ein, denen darauf über Jahrzehnte mit merkwürdigen Gerätschaften auf die Pelle gerückt wurde. Fritzi brachte es auf den Punkt „Wie im Horrorfilm!“ Zum Glück verstand er kein Deutsch oder doch? Jedenfalls sprach er sehr autoritär ein deutliches 4-wöchiges Badeverbot aus, weil ihre Entzündung nicht verheilt sei. Ach man, das war für unsere Wasserratte natürlich die schrecklichste Nachricht überhaupt! Wie auch immer, Fritzi wollte verständlicher Weise schnellstmöglich raus aus dem Horrorkabinet und als ich im Wartekämmerchen auf meine Quittung für die 45 000 Colones wartete, entdeckte ich diverse Zertifikate: Facharztprüfung HNO: 1977 und Abschluss in Allgemeinmedizin: 1962! Das erklärte so einiges und ganz ehrlich? Hut ab für solch ein Durchhaltevermögen! Am Ende schnackte der Herr Dr. Jorge Àvila Lòpez doch noch kurz auf spanisch mit mir ein wenig und auch seine (?) Frau verabschiedete mich sehr höflich. Hatten wir sie am Ende einfach nur beim routiniertem Morgenkäffchen gestört? Keine Ahnung, aber am Schluss war doch wieder alles gut und wir waren froh, dass wir nun endlich nach 3 Stunden zurückfahren durften. 😅

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